Viele wohlhabende Familien schlägt aktuell die Schuldenkrise in ihren Bann. Was passiert, wenn der klamme Staat sich an dem Vermögen vergreift? Wie Reiche ihr Geld in Sicherheit bringen und ihre Erbschaft regeln..
Die europäische Idee gibt es nicht zum Nulltarif. Deutschland beteiligt sich mit knapp 73 Milliarden Euro an den Hilfspaketen für Griechenland, Portugal und Irland. Dazu kommen Ausfallrisiken in Höhe von bis zu 211 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm und unkalkulierbare Milliardenbeteiligungen bei möglichen Anleiheausfällen über die Europäische Zentralbank. Schon jetzt kalkuliert der Bund der Steuerzahler die Schuld von Bund und Länder auf mehr als zwei Billionen Euro.
Viele Wohlhabende registrieren solche Zahlen mit Argwohn. Sie denken vor allem daran, dass der Finanzbedarf des Staates in Zukunft wachsen dürfte. „Die Politik hat verschiedene Instrumente in ihrem Folterkasten“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. Bei einer Eskalation der Schuldenkrise könnte der Gesetzgeber Großanleger verpflichten, einen bestimmten Anteil Staatsanleihen zu halten. Investitionen in Immobilien, Aktien oder Gold könnten beschränkt werden. Kurzfristige Erträge brächten dem klammen Staat aber vor allem Sondersteuern, etwa für hohe Vermögen oder Erbschaften.
Wenn die Reichen bei einer Finanzkrise des Staates zur Kasse gebeten werden, dürfte das den Umfragewerten von Regierungsparteien kaum schaden – schließlich gibt es nur rund 800.000 Millionäre in Deutschland. Vor allem eine Erhöhung von Steuern auf hohe Erbschaften ist in Krisenzeiten populär. Fällt doch den reichen Zöglingen ihr Vermögen ohne eigenes Zutun in den Schoß. Und haben nicht gerade Vermögende in Zeiten ausufernder Staatsverschuldung am meisten profitiert?
Aus Angst vor künftigen Repressalien handeln viele Vermögende schon jetzt. „Beliebt sind aktuell etwa Anlageimmobilien in der Schweiz oder den USA“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius Mademann und Partner. In der Schweiz und Australien steigen die Goldbestände in den heimischen Banktresoren. Vor allem Barren bis zu einem Kilo sind beliebt, weil sie leicht zu verwerten sind. „Manche investieren auch im Silber, die Restriktionen des Goldverkaufs in der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre ist vielen noch im Gedächtnis“, sagt Löschen.
Es gibt nichts, was es nicht gibt. Der Münchner Vermögensverwalter FIVV bietet seinen Kunden beispielsweise eine Rundumbetreuung bei der Eröffnung eines Yuan-Kontos in China an. Ein neuer Rechtsrahmen erlaubt es Ausländern auch ohne festen Wohnsitz in China ein Girokonto zu eröffnen. „Der Yuan dürfte in den nächsten Jahren um durchschnittlich fünf Prozent per annum zulegen“, sagt FIVV-Vorstand Andreas Grünewald und organisiert auf Wunsch Visum, Flug, Hotel und fachkundige Beratung am Bankschalter vor Ort.
Handelsblatt 11.03.2012 von Jens Hagen
03.01.2012 · Die Anleger bleiben verunsichert - vor allem mit Blick auf die Konjunktur und die Bonität der Staaten. Dies macht Gold weiter attraktiv.
Von Bettina Schulz, London
„Gold ist wahrscheinlich eines der besten Investments in Zeiten des Vertrauensverlustes in Staaten und Finanzinstitute sowie bei zunehmender Besorgnis angesichts der expansiven Geldpolitik rund um den Globus“, heißt es bei dem Vermögensverwalter MAN Group. Wenn es aber erst zu Inflation komme, seien andere Vermögens- und Rohstoffpositionen interessanter. JP Morgan erwartet, dass der Goldpreis ab dem zweiten Quartal nicht weiter steigen werde.
Denn im Ergebnis entsteht ein höchst intransparentes Produkt. Zum einen werden Ihre Beiträge zunächst durch einen riesigen Apparat geschleust, der hohe Kosten verursacht. Als Faustregel gilt: Alle Beiträge, die Sie in den ersten ein bis zwei Jahren bezahlen, landen als Vermittlungsprovision beim Vertrieb.
Als Nächstes zieht die Versicherung einen ordentlichen Batzen ab, um ihr Risiko im Todesfall zu decken. Falls Sie niemanden absichern wollen, ist auch dieses Geld verschenkt.
Letztlich werden rund 75 Prozent Ihrer Beiträge investiert – der sogenannte Sparanteil. Auf diesen Teil garantiert Ihnen die Versicherung ab 2012 einen Garantiezins von kümmerlichen 1,75 Prozent – selbstverständlich vor Steuern und Inflation.
Der Garantiezins muss zwar nicht das letzte Wort sein. Die Rendite auf den Sparanteil kann – abhängig von der Versicherung – durchaus auch höher sein. Dennoch wird der Anleger mit einer neu abgeschlossenen Lebensversicherung kaum die derzeitige Inflation schlagen können – das ist der zweite Minuspunkt.
Aber es gibt noch ein drittes Manko, das nur wenigen bekannt ist. Es liegt in der Anlagestrategie. Versicherungen legen rund 85 Prozent des Sparanteils in Anleihen an, davon etwa ein Drittel in Staatspapiere. Zum Vergleich: Aktien liegen bei kümmerlichen fünf Prozent, Immobilien bei drei Prozent.
Der Anleger sollte sich also bewusst sein, dass er mit Lebensversicherungen letztlich überwiegend in Geldwerte investiert (siehe auch meinen Artikel: Geldwerte vs. Sachwerte). Er ist mit dieser Anlagestrategie vor steigender Inflation nicht geschützt. Dazu kommen die Risiken einer Geldanlage in Staatspapieren, die bei steigender Staatsverschuldung nur schwer abzusehen sind.
Besonders brisant ist, dass diese Risiken von der Politik sogar noch verstärkt werden. Der Sprengsatz liegt in den neuen Eigenkapitalrichtlinien für Versicherungen, die ab 2013 in Kraft treten sollen. Versicherungen müssen, je nachdem in welche Anlageform sie die Gelder ihrer Kunden investieren, unterschiedlich viel Eigenkapital (also Kapital, das von den Besitzern nicht ohne Weiteres zurückgefordert werden kann) nachweisen. Vermeintlich risikoreiche Anlagen müssen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden als risikoarme. So weit so gut. Das Problem besteht aber in der Klassifizierung. Autor Roland Klaus
NEW YORK (Dow Jones)--Die Ratingagentur Fitch droht Großbritannien mit dem Verlust des Triple-A-Ratings. Wegen der "sehr begrenzten" Flexibilität des Landes gegenüber finanziellen Schocks setzte Fitch den Kreditausblick von stabil auf negativ. "Im Lichte der hohen Unsicherheit bei der fiskalischen Entwicklung bedeutet der negative Ausblick, dass die Wahrscheinlichkeit einer Abstufung Großbritanniens in den nächsten beiden Jahren größer ist als 50 Prozent", erklärte Fitch in einer Mitteilung. Dennoch wurde zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Spitzennote bestätigt, auch weil die Ratingagentur den harten Sparkurs der Regierung für glaubwürdig hält. Von Stephen L. Bernard
Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Finanzanleger negativ beeinflusst. Zu diesem kommt die aktuelle Studie der Nürnberger Puls Marktforschung unter 1.000 deutschen Bankkunden. Deren deutliche Mehrheit ist inzwischen der Meinung, sich eigenständig über Geldanlagen informieren zu müssen.

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